Ergebnisse zum Schlagwort: Kinderbetreuung

Antrag 15 / Bildungsoffensive jetzt!

Kinderbetreuung:
Der Ausbau von ganztägigen, ganzjährigen, bedarfsgerechten und kostenlosen Kinderbetreuungsplätzen insbesondere für Unter-3-Jährige und schulpflichtige Kinder ist voranzutreiben. Ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr ist gesetzlich zu verankern.

– Betreuungsschlüssel, Gruppengrößen, Personal- und Raumbedingungen sowie Qualitätskriterien müssen bundesweit gültigen Mindeststandards unterliegen, die sich an neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Bedürfnissen von Kindern und PädagogInnen orientieren.

– Der Personalstand für Kinderbetreuung ist massiv aufzustocken, die Tätigkeit von KindergartenpädagogInnen finanziell deutlich aufzuwerten.

Schule:
Statt Ausweitung der Lehrverpflichtung konsequente Weiterführung der Senkung der KlassenschülerInnenhöchstzahl auf 20 SchülerInnen/Klasse, Föderung innovativer und geschlechtergerechter Lehr- und Lernformen, Ausbau des Förder- und Integrationsunterrichts (mehr Integrations-, Stütz- und BegleitlehrerInnen), entsprechende räumliche Adaptierung bzw. Sanierung von Schulgebäuden
– Ausbau der flächendeckenden Schulsozialarbeit und der schulpsychologische Betreuung
– Deutliche Ausweitung des Angebots an Ganztagsschulen inklusive entsprechenden Angeboten an Förderunterricht, Sprachkursen sowie musischen, sportlichen und kreativen Veranstaltungen.

Universitäten
Bessere Lehr-, Lern- und Arbeitsbedingungen für WissenschafterInnen, Studierende und allgemein Bedienstete: Deutliche Anhebung der Globalbudgets, Ausbau von Studienplätzen, Verbesserung der räumlichen Situation. Dem wissenschaftlichen Personal ist eine durchgängige universitäre Laufbahn zu ermöglichen, Ausreichend finanzielle Mittel für die Inkraftsetzung des Uni-Kollektivvertrags bereit zu stellen

– Der Zugang „bildungsferner“ Schichten zu Unis ist zu erleichtern: ArbeitnehmerInnen mit Lehrabschluss sollen fachspezifische universitäre Kurssysteme angeboten werden, das Nachholen der Studienberechtigungsprüfung ist stärker zu bewerben

– Aktive Frauenförderung an den Universitäten (finanzielle Anreiz und Sanktionssysteme zur Gleichstellungsförderung, geschlechtergerechte Nachwuchsförderung etc.)

Lebensbegleitendes Lernen
Ein Rechtsanspruch auf Bildungskarenz bei Bezug eines fiktiven Arbeitslosengelds

– Recht auf eine Woche bezahlte Bildungsfreistellung im Jahr ist gesetzlich zu verankern

– Gesetzliche Verankerung des Rechts auf Teilzeitbildungskarenz (Recht auf Teilzeit bei gleichzeitiger Aus- und Weiterbildung)

– Für besonders gefährdete und benachteiligte ArbeitnehmerInnengruppen (ArbeitnehmerInnen mit max. Pflichtschulabschluss, Jugendliche ohne Pflichtschulabschluss etc.) braucht es umfassende Angebote an spezifischen Qualifizierungsprogrammen (Ausbau aufsuchender, niederschwelliger Bildungsberatung mit zielgruppenspezifischen Beratungsansätzen, kostenloses Nachholen des Pflichtschulabschlusses …)

 

Der Sozialbericht 2007/2008 des Arbeits- und Sozialministeriums zeigt einmal mehr deutlich den Zusammenhang zwischen Bildungsgrad, Arbeitsmarktchancen und Armutsrisiko: Je höher der Bildungsgrad, desto geringer das Risiko arbeitslos zu werden. Je höher die Bildung, desto höher das Einkommen und desto geringer das Armutsrisiko.

Der Zugang zu (höherer) Bildung ist allerdings nicht für alle gleich. Es gibt – soziale – Barrieren. Wie Armut und Reichtum scheint sich auch Bildung zu „vererben“. Das zeigt sich etwa darin, dass 79 % aller MaturantInnen Eltern mit einem Uni-Abschluss haben, aber nur 17 % Eltern mit Pflichtschulabschluss. Die „soziale Selektion“ beginnt allerdings nicht erst bei höherer Bildung oder der Universität, sondern schon im Kindergarten. Der Zugang zu Bildungseinrichtungen ist in hohem Maße abhängig von Einkommen und sozialem Status, aber auch vom Wohnort. Je früher und professioneller Kinder pädagogisch betreut werden, desto besser sind ihre Leistungen in der Schule. Österreich hat es allerdings verabsäumt, Betreuungsplätze für Unter-3-Jährige auszubauen – nur 11,8 % der Unter-3-Jährigen sind in Kinderbetreuungseinrichtungen. Und vor allem im ländlichen Raum fehlt es an Krippen- und Kindergartenplätzen, in den Städten sind sind sie für viele kaum leistbar. Damit wird nicht nur die Erwerbstätigkeit beider Elternteile erschwert, was in der Regel auf Kosten der Erwerbstätigkeit der Frau geht. Auch die Zukunftschancen der Kinder leiden darunter. Denn in Kindergärten werden Fähigkeiten angeeignet – wie das Erlernen von Sprache und Fertigkeiten, Entwicklung von Sozialkompetenz und Selbstbewußtsein – die bestimmend für den weiteren Bildungs- und Berufsweg sein können. Die geplante Einführung des Gratiskindergartens in Wien bringt zwar eine deutliche finanzielle Entlastung der Haushalte, die Raumsituation in den Kindergärten reicht derzeit allerdings nicht aus, um noch mehr Kinder aufzunehmen. Schon jetzt ist die Anzahl der Kinder für die räumlichen Gegebenheiten zu hoch, eine qualitätsvolle Betreuung kann nicht garantiert werden.

Ungelöst ist nach wie vor auch die Personalsituation. Auch wenn etwa Stadträtin Laska immer wieder auf die in Ausbildung befindlichen PädagogInnen verweist, ist damit der momentane Bedarf nicht zu decken. Schon jetzt werben sich die Kindergartenbetreiber PädagogInnen gegenseitig ab. Krankenstände und Karenzierungen können nicht mehr ausgeglichen werden, oft werden dann zwei Gruppen zusammengelegt.

Im Schulbereich zeigt nicht zuletzt die heftige Diskussion rund um eine Arbeitszeitverlängerung der LehrerInnen den eklatanten budgetären bzw. bildungspolitischen Notstand auf. Auch im Schulbereich hat es die österreichische Bundesregierung verabsäumt, entsprechend ausreichende budgetäre Mittel zur Verfügung zu stellen, um die dringendsten Probleme in Österreichs Schulen – Ausbau von Ganztagsschulen und entsprechende räumliche Investitionen, weitere Schritte in Richtung Klassenverkleinerung, mehr LehrerInnen vor allem im Integrationsbereich, Ausbau der Schulsozial- sowie psychologischen Arbeit – bewältigen zu können.

Im universitären Bereich ist nach wie vor die vollständige Finanzierung des Uni-Kollektivvertrags nicht gesichert und fehlen die entsprechenden Mittel, um die Lehr- und Lernbedingungen von StudentInnen und WissenschafterInnen zu verbessern.

Die Wirtschaftskrise trifft vor allem schlecht Qualifizierte. Daher muss gerade jetzt massiv in Bildung und Weiterbildung investiert werden. Investitionen in Bildung – von der Krippe bis zur Universität – und Weiterbildung schaffen nicht nur unmittelbar Arbeitsplätze im Bildungs- und Betreuungssektor, sondern sind ein wesentlicher Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit in Österreich, wirken sie doch Arbeitslosigkeit und Armut entgegen.

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