Alle Beiträge von Rene Schuster

Vollversammlung April 2018 – Resolution 1

Resolution 1

an die 12. Vollversammlung vom 12. 4. 2018

der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark

Umweltbewusstsein verbessern

Gegenläufig zum Trend in den meisten Ländern der Europäischen Union verzeichnet das Umweltbundesamt in Österreich seit 2014 wieder einen Anstieg der Treibhausgas-Emissionen. Das gilt besonders für das klimaschädigende Gas Kohlendioxid (CO2).

Die EU hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 20% (gegenüber dem Stand von 1990) zu reduzieren. Im EU-Durchschnitt sind die Emissionen von 1990 auf 2016 um 24 Prozent gesunken. In Österreich sind allein von 2015 auf 2016 die Emissionen insgesamt um etwa ein Prozent auf 79,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent gestiegen. Sie lagen damit in etwa auf dem Niveau von 1990. In nicht dem Emissionshandel unterliegenden Bereichen kam es zu einem Anstieg um rund 2,7 Prozent.

Das übergeordnete Ziel der internationalen Klimapolitik, das im Pariser Klimaabkommen vom Dezember 2015 bekräftigt wurde, ist die Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2 °C über dem vor-industriellen Niveau. In Österreich beträgt lt. Bericht des Umweltbundesamtes 2016 der durch Messungen belegte durchschnittliche Temperaturanstieg bereits 2 °C. Klimamodelle sagen voraus, dass sich Österreich auch in Zukunft stärker als im globalen Mittel erwärmen wird. Auch hierzulande werden Hitzewellen, Orkane, massive Überflutungen sehr viel häufiger auftreten und immer größere Schäden anrichten.

Bis 2050 wird nach wissenschaftlichem Konsens eine Verminderung der Treibhausgas-Emissionen von Industriestaaten um mindestens 80% als notwendig angesehen. Der 2011 erstellte „Fahrplan für den Übergang zu einer wettbewerbsfähigen CO2-armen Wirtschaft bis 2050“ macht deutlich, dass die Kosten auf lange Sicht umso niedriger sind, je früher Maßnahmen gesetzt werden.

Mit ihrer Energie- und Klimastrategie hat die Bundesregierung klargemacht, dass sie an einer ernsthaften Umsteuerung nicht interessiert ist. Weder entwirft sie ein nachhaltiges Verkehrskonzept, noch gebietet sie dem rapiden Flächenverbrauch Einhalt oder plant energische Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. Stattdessen macht sie glauben, dass einzelne, gelegentliche Anreize zu umweltschonendem Verhalten und technische Patentrezepte, wie die Entwicklung von Elektroautos, das Problem irgendwie lösen würden. Politisch geschieht nichts, das die Bedrohung durch den Klimawandel schon jetzt spürbar machen und auch den Einzelnen zu nachhaltigerem Umweltkonsum anregen würde. In Österreich glauben laut einer europaweiten Befragung entsprechend acht Prozent der Bevölkerung nicht an den vom Menschen verursachten Klimawandel, und nur knapp ein Drittel fühlt sich mitverantwortlich. Nur wenn auch die Regierung klarmacht, dass der Erhalt unserer Lebenswelt ein für alle wichtiges Ziel darstellt, wird auch der oder die Einzelne individuelle Fantasie in die umweltfreundliche Umgestaltung der eigenen Lebensumwelt investieren.

Die Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark fordert daher die Bundesregierung auf, mit Leuchtturmprojekten wie drastischer Steigerung der Energieeffizienz oder einem nachhaltigen Verkehrskonzept der Umweltpolitik im Budget, in der Tagespolitik und im öffentlichen Bewusstsein den Platz einzuräumen, der ihr der Bedeutung nach zukommt.

Für die Fraktion der AUGE/UG

Ursula Niediek

Fraktionsvorsitzende Graz, den 5. 4. 2018

Vollversammlung April 2018 – Antrag 5

Antrag 5

an die 12. Vollversammlung vom 12. 4. 2018

der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark

Österreich enkelInnenfit machen – aber richtig

Österreich hat im Jahr 2016 das Pariser Klimaschutzübereinkommen ratifiziert. Darin ist das Ziel verankert, den globalen Temperaturanstieg auf unter 2°C, wenn möglich auf unter 1,5°C, gegenüber der vorindustriellen Zeit zu beschränken. Damit das 2-Grad-Ziel erreicht werden kann, dürfen bis 2050 weltweit nur mehr rund 800 Gigatonnen CO2 ausgestoßen werden. Forscher des Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Karl-Franzens-Universität Graz haben berechnet, was das für Österreich bedeutet: Unter Berücksichtigung von Fairnessüberlegungen steht Österreich von 2017 bis zur Mitte dieses Jahrhunderts ein Budget von lediglich 1 000 bis 1 500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten zur Verfügung. Wenn wir nur den Treibhausgas-Ausstoß von 2015 in den kommenden Jahren beibehalten, haben wir 2035 unser Budget ausgeschöpft und dürfen bis 2050 gar nichts mehr emittieren, so die Professoren Karl Steininger und Lukas Meyer. „Mit diesem Budget auszukommen, erfordert daher tiefgreifende Änderungen in unserem Wirtschaftsstil. Ein solcher Weg kann nur durch eine umgehende Neuorientierung und politisches Handeln in allen Bereichen Wirklichkeit werden“, unterstreicht Karl Steininger die Wichtigkeit von raschen Weichenstellungen.

Zur Zeit verbrauchen wir nicht nur viel zu viel Energie und blasen immer noch zu viel CO2 in die Luft, wir leben auch im Schnitt auf viel zu großem Fuß, erkennbar am ökologischen Fußabdruck von 5,3 Hektar pro Person. Bei fairer Verteilung der produktiven Flächen unserer Erde entfallen auf jeden Menschen aber nur 1,7 Hektar.

Sowohl die Budgetrede des Finanzministers als auch die am 3. April 2018 vorgestellte Energie- und Klimastrategie der Bundesregierung lassen Konkretes zur Nachhaltigkeit weitgehend vermissen. Die für das Umwelt- und Klimabudget veranschlagten Mittel sinken nach einem Anstieg 2018 von 2019 bis 2022 wieder. Die Klimastrategie der Bundesministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus enthält kaum konkrete Zeitpläne, Instrumente, Zuständigkeiten und vor allem Finanzierungszusagen, um die präsentierten Klimaziele zu erreichen, die nach ExpertInnenmeinung sowieso nur einen ersten Schritt darstellen können. Umweltschädliche Subventionen wie die steuerliche Begünstigung von Heizöl, Diesel und Kerosin, laut Wirtschaftsförderungsinstitut bis zu 4,7 Milliarden Euro im Jahr, stehen nur zu einer weiteren Evaluierung an.

Eine Steuerreform könnte einen wirksamen Anreiz setzen, um Klimaziele umzusetzen, indem sie „das Falsche unattraktiv macht, während man sonst auf Dauer das Richtige fördern“ müsse (Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb von der Universität für Bodenkultur).

Die Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark fordert die Bundesregierung auf, eine ökosoziale und aufkommensneutrale Steuerreform auszuarbeiten. Diese soll Energieverbrauch, Ressourcenverschwendung und Umweltbelastung verteuern.

Im Gegenzug dazu sollen der Faktor Arbeit über reduzierte Lohnsummenabgaben und Privathaushalte über einen Öko-Bonus als Steuergutschrift oder Transferleistung entlastet werden.

Zusätzlich muss der öffentliche Verkehr ausgebaut werden. Beim Umstieg von fossilen zu erneuerbaren Energien und bei Maßnahmen zur Wärmedämmung müssen Umrüstungshilfen gewährt werden.

Für die Fraktion der AUGE/UG

Ursula Niediek

Fraktionsvorsitzende Graz, den 5. 4. 2018

Vollversammlung April 2018 – Antrag 4

Antrag 4

an die 12. Vollversammlung vom 12. 4. 2018

der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark

Keine Verschlechterung der Zumutbarkeitsregeln für Erwerbslose

Während die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) im Jahr 2017 auf eine „verhaltene Lohnentwicklung in der Eurozone hingewiesen“ haben, versucht die Regierung in Österreich Lohndumping zu betreiben, indem sie die Zumutbarkeitsbestimmungen verschärfen will. Politisch verkauft sollen diese Wünsche mittels „Anreizen“ für die „vielen arbeitsunwilligen Erwerbslosen“. Anstelle von Investitionen in neue Arbeitsplätze oder mittels Arbeitszeitverkürzung einen Beitrag zu leisten für die (bislang) gesetzlich vorgeschriebene Vollbeschäftigungspolitik, sollen zumutbare Wegstrecken zeitlich verlängert und Berufs- sowie Entgeltschutz gesenkt oder sogar aufgehoben werden. Was ist die Folge davon, wenn derlei „Anreize“ umgesetzt werden, um jeden Job anzunehmen? Solcherart neoliberale Maßnahmen fördern Lohndumping und stehen mittlerweile auch dem vom IWF propagierten Ansatz für mehr Wirtschaftswachstum entgegen.

Eine Politik, die den Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern dienen soll, muss den Druck auf Arbeitslose reduzieren, auch um die Einkommen der leistenden Mitte in der Gesellschaft nicht zu gefährden.

Die Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark fordert daher die Bundesregierung auf, von einer Verschlechterung der Zumutbarkeitsregeln für Erwerbslose Abstand zu nehmen.

Für die Fraktion der AUGE/UG

Ursula Niediek

Fraktionsvorsitzende Graz, den 5. 4. 2018

Vollversammlung April 2018 – Antrag 3

Antrag 3

an die 12. Vollversammlung vom 12.04.2018

der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark

Sicherung eines politisch unabhängigen ORF

Wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit von Medien ist eine wesentliche Grundvoraussetzung für die demokratische Willensbildung. Der ORF in seiner heutigen Form ist allein durch die Gebührenfinanzierung in der Lage, seinen öffentlich-rechtlichen Kernauftrag einer möglichst objektiven, qualitätsvollen und demokratiefördernden Information aller Bevölkerungsgruppen Österreichs zu erfüllen. Das Programmangebot ist dabei so zu gestalten, dass es einerseits dem Informationsbedarf aller in Österreich lebenden Menschen möglichst gerecht wird, andererseits Minder- und Mehrheiten im Sinne einer demokratischen Meinungsvielfalt berücksichtigt. Bildungsauftrag, Erhalt und Zugänglichkeit von Wissen im Sinne eines elektronischen Gedächtnisses Österreichs und der explizite Kultur- wie Kunstauftrag zeichnen den ORF heute aus. Nur durch eine von Staat und Markt unabhängige Finanzierung ist dies möglich.

Die Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark fordert die Bundesregierung auf, alle Maßnahmen zu ergreifen, um weiterhin die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit des ORF zu gewährleisten. Jedem gesetzlichen oder politischen Vorhaben, das zu einer Einschränkung der Verpflichtung zu einer objektiven, qualitätsvollen und demokratiefördernden Information führen könnte, muss eine entschiedene Absage erteilt werden.

Für die Fraktion der AUGE/UG

Ursula Niediek

Fraktionsvorsitzende Graz, den 5. 4. 2018

Vollversammlung April 2018 – Antrag 2

Antrag 2

an die 12. Vollversammlung vom 12. 4. 2018

der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark

Jugendvertrauensräte sollen bleiben

Für Lehrlinge und jugendliche ArbeitnehmerInnen sind JugendvertrauensrätInnen die ersten AnsprechpartnerInnen für alle Fragen rund um die Themen Arbeiten und Ausbildung.

So wie BetriebsrätInnen die Interessen aller ArbeitnehmerInnen des Betriebes vertreten, sind JugendvertrauensrätInnen speziell für die Anliegen der Lehrlinge und der jugendlichen ArbeitnehmerInnen da. JugendvertrauensrätInnen sind meist selbst mitten in der Ausbildung oder haben diese gerade erst abgeschlossen. Genau darum wissen sie auch, wo der Schuh drückt und können die Interessen der Lehrlinge bestens vertreten. Das Konzept „Jugendliche vertreten Jugendliche“ hat sich bisher gut bewährt.

Nicht zu unterschätzen ist auch, dass so manche Betriebsrats-“Karriere“ im Jugendvertrauensrat begonnen hat, wo erste Erfahrungen im Umgang mit Vorgesetzten, Arbeitsrecht und Interessenvertretung gesammelt wurden. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur „politischen Bildung“ im Sinne eines Erlernens und Erlebens von Demokratie und des Eintretens für eigene Rechte und die Rechte anderer.

Die Bundesregierung denkt nun laut darüber nach, die Jugendvertrauensräte abzuschaffen. Dafür soll Jugendlichen ab 16 ein aktives Wahlrecht zu den Betriebsratswahlen zugestanden werden. Ein Drittel der Lehrlinge, nämlich alle unter 16 Jahren, würde jegliches Wahlrecht im Betrieb verlieren. Außerdem ginge für jugendliche ArbeitnehmerInnen der niederschwellige Zugang zu gleichaltrigen JugendvertrauensrätInnen verloren. Dass gleichzeitig Gewerkschaften und Betriebsräten der „Nachwuchs“ verloren gehen würde, wäre ein zusätzlicher negativer Effekt. Es braucht mehr Demokratie in der direkten Lebensumgebung junger arbeitender Menschen, um der Politikverdrossenheit entgegenzuwirken. Eine mögliche Stärkung der Einrichtung Jugendvertrauensrat wäre die Errichtung eines EU-Jugendvertrauensrates, der den Austausch zwischen jugendlichen ArbeitnehmerInnen in der EU leichter koordinieren und fördern könnte.

Die Vollversammlung der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Steiermark fordert daher die Bundesregierung auf, Schritte zu setzen, um Jugendvertrauensräte nicht abzuschaffen sondern stattdessen zu stärken.

Für die Fraktion der AUGE/UG

Ursula Niediek

Fraktionsvorsitzende Graz, den 5. 4. 2018