Alle Beiträge von AUGE UG

AUGE/UG: „Ohne Arbeitszeitverkürzung sind Rekordarbeitslosigkeit und Zunahme prekärer Beschäftigung nicht bewältigbar!“

Paiha AZV Enquete 200

 

Massenarbeitslosigkeit und Prekarisierung erfordern rasches Handeln

 

Eindringlich forderte Ökonom Heinz-Josef Bontrup von der Westfälischen Hochschule rasche und entschlossene Schritte in Richtung einer 30-Stunden-Woche als neuen Normalarbeitszeitstandard bei vollem Lohn- und Personalausgleich ein, um die dramatisch steigende Arbeitslosigkeit sowie Prekarisierung in den Griff zu bekommen. Die Produktivitätszuwächse der letzten Jahrzehnte, die beinahe ausschließlich der Kapitalseite zugute gekommen wären, so der Ökonom, würde eine derartige drastische Verkürzung jedenfalls erlauben. Bei insgesamt sinkenden Arbeitsvolumen müsse Arbeitszeit verkürzt werden um dieses Volumen gerechter verteilen zu können. Wer diese Tatsache negiere betreibe Realitätsverweigerung und würde weiter steigender Prekarisierung und Arbeitslosigkeit Vorschub leisten, so Bontrup. Arbeitslosigkeit sei immer auch ein Disziplinierungsmittel, Vollbeschäftigung würde dagegen ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften in der Durchsetzung ihrer Interessen stärken.

 

AZV fullhouse 650

 

 

All-in-Verträge und Überstundenabbau als notwendige Vorleistung für eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung

 

WIFO-Ökonomin Christine Mayrhuber und Sozialwissenschaftler Jörg Flecker (Universität Wien) betonten in ihren Beiträgen, dass in einem ersten Schritt zu einer gerechteren Verteilung der Arbeit All-in-Verträge zurückgedrängt und Überstunden abgebaut werden müssten. Selbst ArbeitnehmerInnengruppen, für die derartige Verträge nie gedacht waren – etwa Hilfsarbeitskräfte oder Büroangestellte –  hätten bereits All-in-Arbeitsverträge. Die Eindämmung von Überstunden sei daher Voraussetzung, damit eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung arbeitsmarktpolitisch wirksam werden könne. Rudolf Karazmann wies auf die gesundheitsbeeinträchtigende Wirkung langer täglicher Arbeitszeiten hin und forderte Arbeitszeiten insbesondere auch vor dem Hintergrund der Herstellung alternsgerechter Arbeitsbedingungen zu diskutieren.

 

Arbeitszeitverkürzung als notwendige Bedingung einer gerechteren Verteilung von Arbeit zwischen den Geschlechtern

 

Arbeitszeitverkürzung sei eine notwendige Voraussetzung zu einer gerechteren Verteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern stellte Sozialwissenschaftlerin Claudia Sorger  von L & R Sozialforschung in ihrem Input fest. Rund zwei Drittel unbezahlter Arbeit würde von Frauen geleistet, europaweit sei Österreich bei der Ungleichverteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern im traurigen Spitzenfeld, weit hinter den skandinavischen Ländern. Nach wie vor sei in Österreich ein Familien-Einkommensmodell dominant, in dem der Mann Vollzeit, die Frau Teilzeit arbeite. Eine 30-Stunden-Woche als neuer Normalarbeitszeitstandard würde eine gerechtere Verteilung von Arbeit zwischen Männern und Frauen jedenfalls befördern und käme auch Männern entgegen, die gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen würden. Beate Littig, Soziologin am IHS betonte, dass als Antwort auf die Krise der Wachstumsgesellschaft eine Neudefinition und die Verteilung von Arbeit an Aktualität gewinnen würden – nicht zuletzt vor dem Hintergrund sich erschöpfender Ressourcen und ökologischer Grenzen des Wachstums.

 

Braucht breites gesellschaftliches Bündnis für Arbeitszeitverkürzung

 

Bestätigt in ihrer Forderung nach einer umfassenden Arbeitszeitverkürzung in Richtung einer 30-Stunden-Woche und eines 6-Stunden-Arbeitstags sieht sich Klaudia Paiha, Bundessprecherin der AUGE/UG: „Wer gegen Arbeitszeitverkürzung  ist, meint es entweder mit dem Kampf gegen Prekarisierung und Arbeitslosigkeit nicht ernst, oder nimmt bewusst Arbeitslosigkeit und Verelendung in Kauf, um ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaften klein zu halten. Der Einsatz für kürzere Arbeitszeiten ist daher nicht nur ein Kampf für eine gerechtere Verteilung von Arbeit und Einkommen, sondern auch von Chancen, demokratischer  und wirtschaftlicher Teilhabe und gesellschaftlichem Wohlstand. Gewerkschaften sind dabei zwar besonders gefordert, es braucht allerdings ein deutlich breiteres gesellschaftliches Bündnis, um gerechtere Arbeitszeiten durchzusetzen. Mit dieser Enquete wurden gute und nachvollziehbare Argumente für eine 30-Stunden-Woche geliefert. Wir werden jedenfalls alles dafür tun, dass das Thema Arbeitszeitverkürzung auf der Tagesordnung von Politik und Gewerkschaften bleibt.“

18. Mai, Arbeitszeit-Enquete im Parlament: „Weniger ist mehr! Arbeitszeitverkürzung – ein Modell für die Zukunft?“

Enquete AZV Parlament

 Lange Arbeitszeiten gehen auf Kosten von Gesundheit, Erholung und Freizeit und erhöhen signifikant das Unfallrisiko. Die massive Ungleichverteilung bezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern drängt Frauen zurück ins „Private“ und zementiert die traditionelle Arbeitsteilung. Und nicht zuletzt: Wachstum fällt als Beschäftigungsmotor zunehmend aus. Die wirtschaftliche, ökologische und soziale Krise lies die Wachstumsideologie brüchiger werden.

 

– Kann Arbeitszeitverkürzung einen Beitrag zur Bewältigung der Wirtschafts- und Beschäftigungskrise leisten?
– Was macht Arbeitszeitverkürzung gerade aus einer Geschlechterperspektive so dringend?
– Welche Arbeitszeiten braucht es, um Lebens- und Arbeitszeit wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen?
–  Worin liegt in der Arbeitszeitdebatte die ökologische Dimension?

Mit diesen Fragen wollen wir uns im Rahmen der Enquete auseinandersetzen, Lösungsansätze diskutieren und Möglichkeiten zur Vernetzung bieten. Wir laden Sie herzlich dazu ein!

Programm:

ab 9.00 Uhr    Begrüßungskaffee

 

9.30 Uhr    Begrüßung durch Nationalratsabgeordnete Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnensprecherin der GRÜNEN und Klaudia Paiha, Bundesprecherin der AUGE/UG

 

Einleitende Worte durch Klubobfrau Eva Glawischnig, Bundessprecherin der GRÜNEN

10.00 Uhr :  Heinz-Josef Bontrup, Professor für Wirtschaftswissenschaften/Westfälische Hochschule:
„Nie mehr Vollbeschäftigung? Warum es Arbeitszeitverkürzung mit Lohn- und Personalausgleich braucht
Kommentar: Christine Mayrhuber, Wirtschaftswissenschafterin/WIFO

 

 Jörg Flecker, Professor für Soziologie/Universität Wien; ehem Leiter von FORBA (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt): „Arbeit im Wandel. Arbeitszeit im Modernisierungsdruck“

Kommentar: Rudolf Karazman, Arbeitsmediziner, Gründer von IBG (Innovatives Betriebliches Gesundheitsmanagement)

 

Claudia Sorger, Sozialwissenschafterin, L&R Sozialforschung:

„Warum nicht gleich? Die 30-Stunden Woche und ihr Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit“
Kommentar: Beate Littig, Soziologin/IHS, Universität Wien

 

PAUSE mit Imbiss

 

12.30 Uhr    „Arbeitszeitverkürzung – eine realistische Perspektive?“

Diskussionsrunde mit:
Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB
Heinz-Josef Bontrup, Wirtschaftswissenschafter
Kuno Haas, Unternehmer, GRÜNE ERDE
Klaudia Paiha, Bundessprecherin der AUGE/UG
Claudia Sorger, Sozialwissenschafterin L&R

 

14.00 Uhr     Resumée und politischer Ausblick

mit:
Josef Muchitsch, Vorsitzender des Sozialausschuss, SPÖ
Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnensprecherin der GRÜNEN
Gabriele Tamandl, stellv. Bundesobfrau des ÖAAB; ÖVP

 

Voraussichtliches Ende der Veranstaltung: 14.30 Uhr.

 

Moderation: Bettina Haller, Organisationsberaterin

Anmeldung bis 15.Mai 2015 bei   angelika.nussbaum- at – gruene.at  

 

Die Einladung gilt in Verbindung mit einem amtlichen Lichtbildausweis als Zutrittsberechtigung für das Parlament.

 

Programm der Enquete als pdf

AUGE/UG, Paiha zum „Tag der Arbeitslosen“: „Arbeitszeit FAIRkürzen, Arbeit FAIRteilen!“

TAL

40 Jahre 40-Stunden-Woche – höchste Zeit für Arbeitszeitverkürzung

 

Paiha erinnert daran, dass die Beschäftigungszuwächse in den letzten Jahren ausschließlich auf einen Anstieg vielfach nicht existenzsichernder Teilzeitarbeit zurückzuführen sind. Seit 2008 ist Teilzeit um rund 140.000 Beschäftigungsverhältnisse gestiegen, während 48.000 Vollzeitstellen verlorengegangen sind. „Atypische Beschäftigung wird – insbesondere für Frauen – immer ’normaler‘. Was es aber braucht, ist ein deutlich verkürzter Vollzeitstandard, eine 30-Stunden-Woche und ein 6-Stunden-Arbeitstag, mit einem entsprechend fairen Lohn- und Personalausgleich, um wieder mehr Verteilungsgerechtigkeit bei Einkommen, Chancen und sozialer Sicherheit herzustellen. 40 Jahre nach Einführung der 40-Stunden-Woche ist es höchste Zeit für Arbeitszeitverkürzung“, fordert Paiha.

 

Arbeit FAIR teilen

 

Paiha weiter: „Wachstum ist kein Beschäftigungsmotor mehr und wird es nicht zuletzt aus ökologischen Gründen auch nicht mehr sein können“. Daher müsse verfügbare Arbeit – bezahlte wie unbezahlte – umverteilt werden. Paiha: „Frauen leisten heute in Österreich nach wie vor fast zwei Drittel der unbezahlten Arbeit, Männer dagegen rund zwei Drittel der bezahlten Arbeit. Eine allgemeine Verkürzung der wöchentlichen, insbesondere aber auch der täglichen Erwerbsarbeitszeit, würde endlich eine gerechtere Verteilung auch der Pflege-, Betreuungs- und Hausarbeit erlauben, die überholte Geschlechterrollen aufbricht und Gleichstellung befördert. Teilzeit ist für Frauen vielfach eine Falle, ein verkürzte Vollzeit dagegen die Chance auf mehr Geschlechtergerechtigkeit“.

 

Für eine Steuerstrukturreform, die Arbeitszeitverkürzung unterstützt

 

Kritisch bewertet Paiha die Steuerreform: „Die Chance wurde vertan, die Steuerstruktur so zu reformieren, dass Arbeitszeitverkürzung auch steuerlich unterstützt wird – etwa über die Entlastung von Arbeit und eine Gegenfinanzierung über Öko- und Vermögenssteuern oder eine Wertschöpfungsabgabe“. Die AUGE/UG-Bundessprecherin abschließend: „Unabhängig davon haben wir ArbeitnehmerInnen uns eine Arbeitszeitverkürzung allerdings längst erarbeitet, sind doch die Löhne weit hinter der Produktivitätsentwicklung der letzten Jahrzehnte zurückgeblieben. Eine Arbeitszeitverkürzung wäre dahingehend ohnehin nur eine verspätete Abgeltung unseres Anteils“.

AUGE/UG, Paiha: „Antifaschismus ist kein Verbrechen, sondern Pflicht!“

paiha 160

Dieser Kriminalisierungsversuch von antifaschistischen Protesten reiht sich für Paiha in demokratiepolitisch höchstbedenkliche Entwicklungen. Etwa, dass sich Gewerkschafter, die sich gegen einen Angriff Rechtsextremer auf das Ernst-Kirchweger-Haus verteidigt hatten, gemeinsam mit diesen auf der Anklagebank wiederfanden. Während die Angreifer mit Hausfriedensbruch und Körperverletzung sehr glimpflich davon kamen, wurden die Gewerkschafter wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. „Diese Vorgangsweise macht fassungslos. Nicht nur, dass antifaschistischer Protest kriminalisiert wird, auch die Verteidigung vor rechtsextremen Übergriffen wird bestraft“, so Paiha.

 

Verfassungsbruch der Wiener Polizeiführung?

 

Die Staatsanwaltschaft sollte sich lieber die Vorgangsweise der Wiener Polizeiführung unter Polizeipräsident Pürstl einmal genauer ansehen, fordert Paiha. „Die wiederholte Einschränkung der Pressefreiheit ist ein eindeutiger Bruch der österreichischen Verfassung.“ Bereits bei den Demonstrationen gegen den Akademikerball 2014 versuchte die Polizei JournalistInnen bei ihrer Arbeit zu behindern. Auch bei den Akademikerball-Protesten 2015 wollte die Polizeiführung ursprünglich nur wenigen JournalistInnen mit Presseausweisen eines bestimmten Privatvereins die Akkreditierung erteilen. Bei Demos gegen Pegida in Wien kesselte die Polizei sogar JournalistInnen ein und droht nun mit Anzeigen. „Dieses Vorgehen ist skandalös und zeugt von einem eigentümlichen Demokratieverständnis der Wiener Polizeiführung. Diese muss ihren Kampf gegen die Pressefreiheit endlich beenden“.

 

Erfreut zeigt sich die AUGE/UG über einen Beschluss der Wiener Gewerkschaft GPA-djp, wonach „das Recht auf Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit und Privatsphäre Vorrang haben … und nicht unter dem Deckmantel von Terrorismusbekämpfung oder Scheindelikten wie ‚Landfriedensbruch‘ ausgehebelt werden“ dürfe. Paiha abschließend: „Als GewerkschafterInnen sind wir geradezu verpflichtet, gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Männerbündelei aufzutreten. Rechtsextremismus und Faschismus waren und sind seit jeher Gegner der organisierten ArbeitnehmerInnenschaft. Wo immer auch die extreme Rechte an Schalthebeln der Macht saß, ging sie gegen ArbeitnehmerInnenrechte und GewerkschafterInnen vor. Der Kampf der Gewerkschaften für eine bessere Welt schließt den Kampf gegen Rechtsextremismus mit ein.“

AUGE/UG, Paiha: „Keine Finanzierung der Steuerreform auf Kosten sozial- und gemeinnütziger Projekte!“

paiha 160

 Einsparungen drohen soziale und gemeinnützige Initiativen zu verunmöglichen!

 

Auf Bundesebene drohen insbesondere weitere Einsparungen im Bereich der ‚Ermessensausgaben‘ der Ministerien. Klaudia Paiha, Bundessprecherin der AUGE/UG: „Hinter dem sperrigen Titel verbergen sich Unterstützungen und Förderungen für soziale und gemeinnützige Initiativen, wie Frauenhäuser und -beratungseinrichtungen, Hilfsprojekte für lernschwache Kinder, Flüchtlingsbetreuung, Kriseninterventionszentren und innovative, niederschwellige Unterstützungseinrichtungen für spezifische Betroffenengruppen. In derartigen Projekten wird bereits jetzt unter erschwerten finanziellen Bedingungen, knapp an der Grenze des Erträglichen gearbeitet. Weitere Kürzungen würden derartige gesellschaftlich wichtige und wertvolle Initiativen zunehmend verunmöglichen.“

 

Die AUGE/UG-Sprecherin weiter: „Es wäre schon ein besonderer Zynismus, wenn ausgerechnet jene den unausgegorenen Gegenfinanzierungsmaßnahmen zum Opfer fallen würden, die sich um genau die Menschen kümmern, die besonders unter der herrschenden ökonomischen und soziale Krise leiden.“

 

Auch ArbeitnehmerInnen sozialer und gemeinnütziger Projekte dürfen sich Steuerreform „nicht selbst“ zahlen

 

Wenn der ÖGB zurecht fordert, dass sich die ArbeitnehmerInnen die Steuerreform nicht selbst zahlen dürfen, dann müsse das auch für die Beschäftigten sozialer Dienste und gemeinnütziger Projekte gelten, so Paiha: „Die massiven Kürzungen im Sozialbereich in Ländern wie Oberösterreich oder der Steiermark haben dort bereits zu Kündigungen und einer weiteren Erhöhung des Arbeitsdrucks geführt. Und das, obwohl gerade soziale Arbeit psychisch wie physisch besonders belastend ist.“ Es sei daher vollkommen inakzeptabel, dass über weitere Einsparungsmaßnahmen in diesen gesellschaftlich so wichtigen wie sensiblen Bereichen Arbeitsbedingungen weiter verschlechtert, soziale Dienstleistungen gekürzt und damit Pflege und Betreuung wieder überwiegend zu Lasten der Frauen in die privaten Haushalte verschoben würden.

 

Paiha abschließend: „ÖGB, Gewerkschaften und Arbeiterkammern müssen klar und unmissverständlich gegen drohende Kürzungen bei Förderungen im Sozialbereich auftreten und auch dagegen mobilisieren. Einmal mehr zeigt sich, wie unverzichtbar Vermögenssteuern und sind, um Sozialstaat, soziale Dienste und Beschäftigung zu erhalten und zu sichern.“