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Die harte Realität hinter dem Abschluss

Der Abschluss im KV Sozialwirtschaft ist kein Erfolg auf der Einkommensseite, sondern ein umstrittener Kompromiss, der auch innerhalb der gewerkschaftlichen Gremien unterschiedlich bewertet wurde. Entscheidend ist: Der Druck der Beschäftigten war da. Er wurde arbeitgeberseitig jedoch nicht genutzt, um gegenüber Ländern und Bundesregierung den notwendigen finanziellen Spielraum einzufordern. Am Ende steht ein Abschluss unter dem Druck knapper öffentlicher Budgets – nicht unter dem Druck der realen Lebenshaltungskosten der Beschäftigten.

Ab dem 1. April steigen die kollektivvertraglichen Mindestgehälter zwar um 2,6 Prozent, im Jahresmittel entspricht das jedoch nur rund 1,95 Prozent. Ab 2027 sind die kollektivvertraglichen Gehälter und Löhne an die Inflation gekoppelt: mindestens 2,3 Prozent, bei höherer Inflation wird die Differenz nur zur Hälfte abgegolten, gedeckelt bei maximal 2,5 Prozent. Damit ist klar: Ein Reallohnplus ist nicht abgesichert – ein Reallohnverlust sehr wahrscheinlich schon.

Der Widerstand der Beschäftigten war und ist real. Am Mittwoch haben auf der Betriebsrät:innenkonferenz 500 Kolleg:innen aus ganz Österreich einstimmig Streikbeschlüsse gefasst. Viele Beschäftigte werden mit diesem Abschluss enttäuscht zurückbleiben – nicht, weil ihre Erwartungen unrealistisch waren, sondern weil ihre tägliche Arbeit weiterhin nicht in vollem Ausmaß wertgeschätzt wird. Diese Enttäuschung ist kein individuelles Gefühl, sondern ein politisches Signal.

Erkämpft wurden dennoch wichtige Verbesserungen im Rahmenrecht – und sie sind ausschließlich dem Engagement und der Mobilisierung der Beschäftigten zu verdanken: Die Pufferstunden laufen 2028 aus Reale Verbesserungen für Teilzeitbeschäftigte Verbesserungen bei Mehrarbeit Die Wertschätzung der Beschäftigten im Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Gute Versorgung braucht gute Arbeitsbedingungen und faire Einkommen. Bis jetzt waren es vor allem die Beschäftigten selbst, die Solidarität gezeigt und Druck aufgebaut haben. Arbeitgeberseitig braucht es deutlich mehr Bereitschaft, nicht nur die Länder, sondern auch die Bundesregierung in die Pflicht zu nehmen, endlich echte einkommensseitige Maßnahmen zu setzen – und nicht weiterhin Reallohnverluste als Budgetmaßnahme von den Beschäftigten zu verlangen. Eure Sparquote ist unsere Menschenwürde!

Dass Superreiche weiterhin ungehindert Vermögen anhäufen, während Beschäftigte reale Einkommensverluste hinnehmen sollen, ist politisch inakzeptabel. Ja, öffentliche Mittel müssen effizient eingesetzt werden – aber Effizienz darf nicht auf dem Rücken jener passieren, die die Arbeit täglich leisten. Wir werden daher auch abseits von Kollektivvertragsrunden für eine faire Verteilung und den sinnvollen Einsatz öffentlicher Mittel kämpfen und fordern die Arbeitgeber:innen auf, diesen Weg gemeinsam mit uns zu gehen. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass jene Menschen, die die wahren Leistungsträger:innen sind und unsere Gesellschaft tagtäglich am Laufen halten – die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich – nicht selbst in Armut gedrängt werden. Diese Verantwortung tragen Politik und Arbeitgeber gemeinsam. Und wir werden nicht aufhören, sie daran zu erinnern.

Warnstreiks zeigen Wirkung – aber Arbeitgeber, Politik und Bundesländer blockieren weiter

Zig Warnstreiks bei denen sich auch unsere AUGE Betriebsrät*innen Bundesweit beteiligt haben zeigen klar auf, dass die Beschäftigten bereit sind, für faire Arbeitsbedingungen und eine sichere soziale Infrastruktur zu kämpfen. Dieser Arbeitskampf ist kein symbolischer Protest – er ist Ausdruck realer Zuspitzung.

Besonders deutlich wurde dabei: Viele Betriebe konnten auf die Unterstützung ihrer Klientinnen und Klienten zählen. Menschen, die auf soziale Dienstleistungen angewiesen sind, wissen sehr genau, was auf dem Spiel steht. Auch aus der breiten Bevölkerung kommt viel Zustimmung – der Arbeitskampf trifft einen Nerv.

Verhandlungen ohne Bewegung

Trotz dieses klaren Signals hat sich in der gestrigen Nacht gezeigt:

Die Arbeitgeber bewegen sich bislang kaum. In der aktuellen Verhandlungsrunde wurde ein Angebot vorgelegt, das am Arbeitsalltag der Beschäftigten vorbeigeht und keine der drängenden Herausforderungen im Sozialbereich löst.

Mit 1. April 2026 sollen die kollektivvertraglichen Löhne und Gehälter um + 2,3 Prozent steigen. Das entspricht einer Erhöhung von 1,72 Prozent für das Gesamtjahr 2026, weil für die ersten drei Monate keine Erhöhung vorgesehen ist. Damit wurde das Angebot für 2026 im Vergleich zur letzten Verhandlungsrunde de facto nicht erhöht. Die IST-Löhne und -Gehälter sollen mit 1. April 2026 um + 2 Prozent steigen. 

Mit 1. Jänner 2027 sollen die kollektivvertraglichen Löhne und Gehälter um + 1,7 Prozent, die IST-Löhne und -Gehälter um + 1,5 Prozent steigen.

Es bedeutet reale Kaufkraftverluste, verschärft bestehende Ungleichheiten und bietet keine Perspektive für den ohnehin massiv belasteten Sozial- und Pflegebereich. Das sind Placebos, keine Lösungen.

Gerade weil die Arbeitgeber kaum Bewegung zeigen, ist klar:

Wir kämpfen.

Der nächste Streikzeitraum ist von 16.12. bis 18.12. geplant.

Politik muss handeln

Dieser Konflikt ist längst kein reiner Kollektivvertragsverhandlungskonflikt mehr. Die Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand sind für die Verhandlungen verheerend – und genau deshalb muss sich die Politik angesprochen fühlen.

Wer im Sozialbereich kürzt, verschlechtert Arbeitsbedingungen, gefährdet Versorgungssicherheit und nimmt die Zerstörung des soziale Friedens bewusst in Kauf. Diese Sparpolitik muss vollumfänglich gestoppt werden. 

Gleichzeitig braucht es endlich eine ernsthafte Debatte über einnahmenseitige Maßnahmen.

Wir können uns unsere Superreichen in dieser Form schlicht nicht mehr leisten.

Vermögensbezogene Steuern, eine Millionärs- und Erbschaftssteuer sind keine ideologischen Forderungen, sondern eine Frage der sozialen Vernunft und der Sicherung des sozialen Friedens.

Einladung an die Arbeitgeber

Auch die Arbeitgeber sind eingeladen, diesen Kampf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen, sondern gemeinsam Druck zu machen – für bessere öffentliche Finanzierung und für einnahmenseitige Lösungen. Wer soziale Arbeit ernst nimmt, darf sich nicht hinter Sparlogiken verstecken.

Der Arbeitskampf geht weiter. Für faire Löhne. Für gute Arbeitsbedingungen.

Und für den Erhalt eines solidarischen, sozialen Gesellschaft. In allen Bundesländern.

Unterbrechung der KV-Verhandlungen in der SWÖ | Unsere BetriebsrätInnen berichten

Die Kollektivvertragsverhandlungen für die Beschäftigten im Sozialbereich wurden unterbrochen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Arbeitgeber bieten Erhöhungen, die weit hinter der Realität im Sozialbereich zurückbleiben.

Anstatt Verantwortung zu übernehmen, geben viele Arbeitgeber den Druck an die Beschäftigten weiter – mit Drohkulissen über „gefährdete Infrastruktur“, wenn es faire Lohnabschlüsse gibt.

Doch dieser Druck gehört nicht auf die Belegschaften, sondern an die Politik: in den Bundesländer und an die Bundesregierung, die mit ihrer Sparpolitik den gesamten Sozialstaat untergräbt.

Die Folgen dieser Kürzungen treffen nicht nur die Beschäftigten – sie treffen auch die Klient:innen, die auf stabile, gut finanzierte Unterstützung angewiesen sind.

Weniger Geld heißt weniger Betreuung, weniger Hilfe, weniger Sicherheit. Das ist sozialpolitisch brandgefährlich.

  • ✔ Stopp der Sparmaßnahmen im Sozial- und Gesundheitsbereich
  • ✔ Rücknahme der Budgetkürzungen
  • ✔ Schutz und Ausbau sozialer Infrastruktur
  • ✔ Einführung von Reichensteuern
Nur sparen geht nicht.

Die Beschäftigten haben in den letzten Wochen deutlich gezeigt, dass sie bereit sind, für faire Bedingungen zu kämpfen. Und sie haben recht: Ohne attraktive Arbeitsbedingungen kommt niemand in den Beruf – und niemand bleibt. Wer den Sozialstaat erhalten will, muss ihn auch finanzieren.

Die AUGE Wien steht solidarisch an der Seite der Beschäftigten. Wir sagen klar:

Soziale Arbeit ist kein Sparposten. Sie ist Grundvoraussetzung für ein solidarisches und funktionierendes Wien.

AUGE beim GPA-Bundesforum 2025: Einsatz für sozialen Schutz und starke Gewerkschaften

Als AUGE Bund haben wir klare Schwerpunkte gesetzt: Kampf gegen Sozialabbau & Verteidigung des Sozialstaats.

Mit dem KI-Antrag von Franz Schäfer haben wir aufgezeigt, wie dringend Gewerkschaften sich strategisch und arbeitsmarktpolitisch auf die tiefgreifenden Veränderungen durch KI vorbereiten müssen – auch wenn er leider von der Mehrheitsfraktion abgelehnt wurde.

„Ob ihr ihn annehmt oder nicht den Antrag, ließt ihn euch wenigstens durch“ – Franz Schäfer

Mit dem von Stefan Taibl eingebrachten Antrag hat die AUGE ein zentrales Gerechtigkeitsthema auf die Agenda des Bundesforums gebracht: die längst überfällige Einführung einer fairen Besteuerung von Reichen. Eine moderne Steuerpolitik muss der unfairen Verteilung von Vermögen endlich entgegenwirken.

Dieser Antrag wurde von der Mehrheitsfraktion FSG dem Präsidium zur Entwicklung einer Kampagne zugewiesen.

Bei der Debatte zu den Anträgen haben wir uns wie folgt inhaltlich eingebracht:

Bei der Gleichstellung geht uns der Leitantrag der GPA nicht weit genug. Gerade in klassischen Frauenbranchen bestehen weiterhin massive Lohnunterschiede und schlechtere Arbeitsbedingungen. Gleichstellung ist daher kein „Zusatz“, sondern ein zentraler gewerkschaftlicher Auftrag – und muss im eigenen Haus ernst genommen werden.

Dem im Raum aufkeimenden Thema der Beschränkung von Leistungen für Teilzeitbeschäftigte sind wir massiv entgegen getreten.

„Die Gesundheits- und Krankenversorgung hat nicht mit der Leistungsfähigkeit zu tun, sonst wären wir eine unmenschliche Gesellschaft“ – Stefan Taibl

Wir haben eindrücklich beschrieben, wie bundesweite Sparmaßnahmen – ob in Wien, Salzburg oder anderen Bundesländern – auf Kosten der Ärmsten umgesetzt werden und damit das soziale Netz zerstören. Etliche Betriebe sind von diesen Kürzungen betroffen, es werden nicht nur Strukturen vernichtet, sondern auch die Existenzgrundlage der Beschäftigten.

Diesen Kahlschlag muss die GPA ernst nehmen, Kampfmaßnahmen unterstützen und der Politik etwas entgegensetzen.

„Es brennt und wer in dieser Situation diskutiert, ob ihr/ihm das Löschfahrzeug gefällt, hat das Problem nicht verstanden“ – Pamela Hölzelwimmer

Das Bundesforum hat die Resolution „Für den Erhalt und Ausbau des Sozialstaats & Nein zu Einkommens- und Pflegeraub in Salzburg“ angenommen.

Wir als AUGE haben uns diesem dringlichen Antrag angeschlossen und seine Einbringung aktiv mit unterstützt.

Ein klares Zeichen gegen den aktuellen Kahlschlag im österreichischen Sozialsystem.

Die Sozialbudgets werden gekillt – und damit unsere Sicherheit

Sind die KV-Verhandlungen der SWÖ ein Farce? Wie soll man verhandeln, wenn die Politik von Bund und Ländern dem ganzen Sozialbereich einfach das Geld wegnimmt? Dieses Geld fehlt jetzt, um die Beschäftigten fair zu bezahlen und die Versorgung aufrechtzuerhalten.

Das Ganze passiert nicht einfach so, das ist kein Unfall. Das ist die gewollte Folge von dieser verordneten Kürzungspolitik.

So sieht die Zerstörung in der Praxis aus:

Was wir hier sehen, ist kein “Sparen”. Das ist die Zerstörung der sozialen Infrastruktur, und zwar auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen.

  • Wien: 500 Millionen Euro werden gestrichen. Das ist ein direkter Angriff auf unsere Arbeitsbedingungen. Investitionen werden auf Eis gelegt, mobile Dienste gestoppt. Das bedeutet nicht nur, dass die Leute keine Hilfe mehr bekommen, sondern auch, dass die restlichen Mitarbeiter noch mehr schuften müssen – bis sie am Ende selbst ihren Job verlieren.
  • Steiermark: Hier ist es schon so weit. Das Geld für Sozialarbeit, Streetwork und Integration ist einfach weg. Das ist keine Zahl auf dem Papier, das sind konkrete Kündigungen, die jetzt ausgesprochen werden. Träger, die jahrelang super Arbeit gemacht haben, werden einfach in den Konkurs geschickt.
  • Salzburg: Bei der Pflege passiert genau dasselbe. Seniorenheime müssen dichtmachen, weil das Geld nicht reicht. Und als Dankeschön für ihre “systemrelevante” Arbeit droht den Beschäftigten für 2026 auch noch eine Null-Lohnrunde. Das ist ein Schlag ins Gesicht.
  • Niederösterreich: Hier wird ein fieses Spiel gespielt. Man nimmt die Kinderbetreuung einfach aus dem SWÖ-KV raus und macht es selbst, weil der Kollektivvertrag angeblich “zu teuer” ist. Das ist nichts anderes als ein direkter Angriff auf unser Tarifsystem. So wird versucht, mühsam erkämpfte Standards zu brechen und Lohndumping Tür und Tor zu öffnen.

Was am Ende rauskommt: Der Kollaps des Sozialsystems?

Die Rechnung ist ganz einfach: Diese Politik gefährdet nicht nur Tausende von Arbeitsplätzen, sondern die soziale Sicherheit Österreichs.

All das passiert nicht, weil kein Geld da wäre – sondern weil die Politik falsche Prioritäten setzt. Wenn die öffentliche Hand spart, zahlen es immer die, die ohnehin schon am Limit sind. Damit muss Schluss sein. Jetzt braucht es Druck auf der Straße, in den Betrieben und in den Kammern. Wir müssen gemeinsam zeigen, dass wir uns diesen Sozialabbau nicht gefallen lassen. 

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