Alle Beiträge von Elisabeth Kerschbaum

Betreuungsberufe: Verantwortung von Politik und Gesellschaft

Ein Mensch mit Behinderung ist gestorben – ein Beteuer wurde nicht rechtskräftig wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Beides ist extrem tragisch, beides muss verhindert werden! (Welche Konsequenzen dieses Urteil für die gesamte Pflegebranche hat – und wie man sich – zumindest teilweise – schützen kann, erläutert Stefan Taibl von der AUGE/UG in diesem Beitrag)

Die Berichterstattung im Kurier (19.2.)  lässt leider Feingefühl vermissen und ignoriert das zentrale Problem in der Betreuung:
Betreuer_innen können die Sicherheit ihrer Klient_inn_en unter den derzeitigen Bedingung im Arbeitsalltag nicht garantieren! Sie können diese Situation aber auch nicht ändern!

Walter Waiss: Die Gesellschaft, die Politik ist aufgerufen, ihre Verantwortung wahrzunehmen und die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen sowie die entsprechenden Kontrollen (durch die Länder, das Abreitsinspektorat, die Vertreter_innen der UN-Behindertenrechtskontrolle und auch die Bewohner_innenvertreter_innen) durchzuführen!

Ein Mensch mit Behinderung zu sein – was bedeutet das?

Nein, nicht ein „Behinderter 29-jähriger“, sondern ein Mensch!
Ein Mensch mit Behinderung, aber ohne jede weitere Diskussion: ein Mensch!
Jede andere Art der Benennung und Beschreibung ist Diskriminierung.

Obwohl es festgeschriebene internationale Verträge gibt, die auch kontrolliert werden und sanktioniert werden können, ist die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung oft eine radikal andere, als wir sie gewohnt sind und wir sie für uns selbst gestalten wollen.

Arbeit im Spannungsfeld

In diesem Spannungsfeld arbeiten wir – die Betreuerinnen und Betreuer, in Arbeitsstätten, Beschäftigungsstätten und in Wohngemeinschaften oder sogar noch „Wohnheimen“.

Ein Mensch mit Behinderung braucht eine betreute Wohnmöglichkeit, die seine Fähigkeiten fördert und seine Schwächen ausgleicht. Ein Mensch mit Behinderung braucht einen Platz zum Leben selbständig und unabhängig von seiner Familie, so, wie auch Menschen ohne Behinderung ihren Lebensweg irgendwann selbständig gehen. Allerdings halten wir Kontakt zu unseren Eltern, Geschwistern und auch das soll gewährleistet sein für Menschen mit Behinderung. – Der Wohnplatz darf daher nicht unüberwindbar weit vom Lebensmittelpunkt der Familie entfernt sein.

Der Wohnplatz muss sich – selbstverständlich – „rechnen“, muss finanzierbar sein. Hier beginnt das Problem: Ein Mensch mit Behinderung hat damit nur noch sehr eingeschränkte Möglichkeiten wo und mit wem er/sie in einer Wohngemeinschaft lebt. Kaum Eine_r kann sich die Menschen aussuchen, mit denen er wohnt, lebt – tagein und tagaus, über Jahre und Jahrzehnte – auch wenn es keine Harmonie gibt zwischen einzelnen Bewohner_innen einer Gemeinschaft.

Ich arbeite seit vielen Jahren in diesem Spannungsfeld. 12 Personen leben in der Wohngruppe, in der auch ich Betreuer bin. Montag bis Donnerstag ist dies Wohngruppe betreut zwischen 14:30 Uhr und dem Folgetag um 9 Uhr (mindestens), von Freitag 12:30 Uhr wird durchgehend betreut bis Montag wiederum 9 Uhr. Diese 12 Menschen werden betreut von 2 fachlich ausgebildeten/geschulten Mitarbeiter_innen und einem Zivildiener oder eine_r Absolvent_in des „Freiwilligen sozialen Jahres“.

Behinderung ist ein weiter Begriff.

Menschen mit körperlicher Behinderung erkennt jeder von uns sofort. Sinnesbehinderungen oder auch mentale Einschränkungen oder Autismus wird oft nicht so schnell wahrgenommen. Im Bereich fortschreitenden Alters kommen Erkrankungen wie Verwirrung oder Demenz ins Spiel.

Die Wünsche und auch die Rechte auf Befriedigung persönlicher Wünsche oder auch die Begleitung von Gefühlen, sie brauchen nicht nur Zeit, sondern sie bedeuten, dass oft sofort und „im Augenblick“ reagiert werden muss. Innerhalb von Sekunden haben wir Prioritäten zu setzen und unser Handeln für die nächsten Momente festzulegen: Ein scharfes Messer in der Hand eines/einer Klient_in, weil das Abendessen gemeinsam zubereitet wird gegen den Epileptischen Anfall eines anderen Bewohners, der zu Sturz zu kommen droht oder auch stürzt.

Unsere Arbeit ist nur schwer messbar,…

…da wir jederzeit und immer Situationen wahrnehmen, die wir abzuschätzen haben und auf diese zu (sofort) zu reagieren haben. Messbar wird oftmals nur unser Scheitern…
Ein_e Klient_in in der Badewanne gegen das Schreiduell zweier Anderer, das zu eskalieren droht.
Nächte in denen wir nicht schlafen können, weil es eine_e Bewohner_in nicht kann: Der Vollmond? Die Erinnerung an den verstorbenen Vater? Liebeskummer? Was auch immer: Wir Betreuer_innen sind da, stehen bereit und versuchen Schmerz zu lindern. Aber in der Früh brauchen ALLE Frühstück und das zeitgerecht, bevor Arbeit losgeht, bevor Fahrtendienste abholen um zur Arbeitsstätte zu bringen.
Wir fällen Entscheidungen, wir setzen Prioritäten.
Nicht jeder Mensch mit Behinderung ist bewegungsunfähig, nicht jeder ist sich möglicher Gefahren bewusst, nicht jeder versteht, dass auch Andere Bedürfnisse haben.

Wir treffen Entscheidungen in Sekunden, wir müssen das tun. Wir tun es mit all unserem Wissen, mit unserer Ausbildung und mit vollem Bewusstsein unserer Verantwortung!

Wir können Fehler machen, wie es jeder Mensch tut. Unsere Entscheidungen haben aber manchmal weitaus größere Auswirkungen, als in anderen Berufen.

Arbeitsverdichtung durch immer engere Budgets

Nicht mehr nachzubesetzende Planstellen, da der Beruf auslaugt und manchmal die Betreuenden krank macht, Arbeitssituationen mit zu wenigen Mitarbeiter_innen, extrem lange Arbeitstage – nicht selten über gesetzliche Grenzen hinaus, Notwendigkeiten des sofortigen Einspringens für erkrankte Kolleg_innen: All das sind Bedingungen, die zu Unfällen führen, die nicht sein dürfen.
Aber: Jede_r Betreuer_in hat diese Gefahr jederzeit im Kopf, fühlt sich davon bedroht, ist diesen Gefahren ausgeliefert – nicht von Seiten anvertrauter Klient_innen, sondern von Arbeitsumständen, die planbares und jederzeit verantwortliches Handeln unmöglich machen!
Jede_r von uns Mitarbeiter_innen im Behindertenbereich läuft Gefahr, dass Entscheidungen fürchterliche Folgen haben können!
Jede_r von uns fühlt sich hilflos diesem System ausgeliefert, das mehr scheint, als es ist – jede_r Mitarbeiter_in und auch jede_r Klientin!

Um die Rechte der Menschen mit Behinderung umzusetzen, um Inklusion zu garantieren und selbst um ihre Sicherheit zu garantieren gibt es nur einen Weg, gibt es nur eine Antwort: Gruppengrößen einer realen Familie anzupassen, Betreuer_innenschlüssel zu erhöhen, Ausbildungen höchstwertig anzubieten und entsprechend ihrer Qualifikation einzusetzen und entsprechend zu entlohnen.

Walter Waiss

Fachbetreuer in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung
Betriebsratsvorsitzender
Kandidat zur AK-NÖ-Wahl / AUGE-UG

AUGE/UG NÖ: Spitzenkandidat Stefan Taibl klar auf Distanz zu Kesetovic

Wie heute bekannt wurde, soll AK-Rat Samir Kesetovic – er ist Spitzenkandidat der Liste GGNÖ – eine politische Mitbewerberin aufs übelste Weise beschimpft und mit sexistischen Nachrichten belästigt haben.

AUGE/UG – Grüne, Alternative und Unabhängige GewerkschafterInnen NÖ Spitzenkandidat Stefan Taibl stellt klar:
„Wir distanzieren uns von dieser Art des Umgangs mit dem politischen Gegner. Sexistische und widerwärtige Beschimpfungen sind keine tauglichen Mittel im Kampf gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit. Wir stellen klar, dass die Liste von Samir Kesetovic – die sogenannten ‚Grünen Gewerkschafter‘ in Niederöstereich, nichts, aber auch gar nichts mit grün-alternativen Werten zu tun haben. Die Grünen rufen zur Wahl der AUGE/UG auf – der einzigen österreichweit kandidierenden sozial-ökologischen Kraft in der Arbeiterkammer.“

„Darum AUGEn auf bei der AK-Wahl: Wer bei den AK-Wahlen ‚grün‘ wählen will, macht sein Kreuz bei der Liste 4 – AUGE/UG“, schließt Stefan Taibl siehe OTS

Dieser Hr Kesetovic ist kein Grüner und hat nichts mit Grünen Werten zu tun. Im Gegenteil, er hat mit Frau Rosenkampf gegen „die feministische Allmacht in der Politik“ und für mehr
Väterrechte protestiert, er hat mit dem BZÖ und den Neos gegen Grüne kandidiert. Er missbraucht einen nicht geschützten Namen, aber „er
ist kein Grüner“.

Er ist auch nicht Repräsentant der Arbeiterkammer. Er hat ein
Kammerrats-Mandat, ja, aber diese Aktionen macht er nicht als
Repräsentant der Arbeiterkammer. Und, schon seltsam, wie ähnlich er
den Freiheitlichen ist: die letzten sexistischen Entgleisungen eines
Kammer-Rates in NÖ kamen von einem Freiheitlichen. Dieser hatte zumindest den Anstand, danach zurück zu treten. Hat Herr Kesetovic Anstand? Das wird
sich zeigen.

12.2. in Korneuburg: Arbeiterkammer stärken – zur Wahl gehen!

Walter Waiss – Kandidat der AUGE/UG für die AK-Wahl 2019 und Betriebsrat bei der Behindertenhilfe Oberrohrbach ist am 12.12. Referent beim „Grünen Tisch“ in Korneuburg (19 Uhr, Michlfarm, Scheibenstand 11).

12-Stunden-Tag / Sozialversicherungsreform / Reform der Notstandshilfe u.v.m Die Bundesregierung kann auch Ihre soziale Sicherheit gefährden! Umso wichtiger ist es, bei der kommenden AK-Wahl von 20.3.-2.4.2019 ein Zeichen zu setzen und die Arbeiterkammer, als wichtigste Interessensvertretung der ArbeitnehmerInnen, zu stärken! Darüber wollen wir mit Ihnen beim kommenden GRÜNEN TISCH reden.

AK-Wahl 2019: AUGE/UG – Liste 4

Die Hauptwahlkommission der AK hat am Freitag getagt – jetzt ist es fix: 

Acht Listen treten bei der kommenden AK-Wahl an – die AUGE/UG als Liste 4!

Wir haben es geschafft: durch die Unterstützungserklärung von mehr als 300 AK-Mitgliedern tritt die AUGE/UG als „Liste 4“ bei der AK-Wahl an. Vielen Dank an alle, die uns dabei unterstützt haben!!!

Unsere KandidatInnen

Die KandidatInnen der AUGE/UG:
Stefan Taibl (Betriebsratsvorsitzender PSZ), Brigitte Reiter (Lehrgangsleiterin Donauuni Krems und Stadträtin in Langenlois), Walter Waiss (Behindertenhilfe Korneuburg), Renate Partei (Umweltberaterin), Wolfgang Studeny (Betriebsrat Caritas St.Pölten), Monika Hobek-Zimmermann (Gastronomie und Gemeinderätin)

Mehr über unsere KandidatInnen und unser Programm findest Du auf unserer Wahlkampfhomepage .

Achtung: taktisches Manöver am Wahlzettel!

Durch ein taktisches Manöver finden sich leider auch diesmal wieder 2 Grüne Namen auf dem Wahlzettel. 3 AK-RätInnen aus anderen Fraktionen haben durch ihre Unterschrift die Kandidatur der „Grünen GewerkschafterInnen“ als „künstliche Konkurrenz“ zur AUGE/UG ermöglicht.

Außer dem Wort „Grün“ im Namen hat diese Liste nichts mit Umweltpolitik zu tun. Es gibt weder ein Programm, noch eine Homepage der Grünen GewerkschafterInnen. In den letzten 5 Jahren gab es gab es von ihnen auch kaum Anträge und Debattenbeiträge  in der AK-Vollversammlung  – und schon gar nicht zu umweltrelevanten Themen wie Öffentlicher Verkehr oder Klimaschutz.  

Grün, Alternativ und Unabhängig = Liste 4 AUGE/UG!

Die Grünen unterstützen die AUGE/UG – als starke Stimme in der Arbeiterkammer: für konsequenten Umwelt- und Klimaschutz, mehr Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt und faire Arbeitsbedingungen für alle. Wir freuen uns über GRÜNE Wahlempfehlungen für die AUGE/UG als Alternative und Unabhängige Gewerkschaftsgruppe.

Unabhängigkeit ist uns wichtig – Deshalb ist die AUGE/UG auch keine Grüne-Teilorganisation, sondern eine Liste unabhängiger GewerkschafterInnen, für die eine intakte Umwelt ebenso im Interesse der ArbeitnehmerInnen liegt, wie in ein intaktes soziales Netz und demokratische Strukturen, die Gleichberechtigung ermöglichen. 
Wir unterscheiden uns damit bewusst von „Mitbewerbern“, für die die Gewerkschaft in erster Linie als Sprungbrett in die (Bundes- und Landes)Politik dient und die im Interessenskonflikte zwischen Regierungslinie und ArbeitnehmerInnenpolitik letztlich ihren Parteien verpflichtet sind.

Überzeuge dich selbst von der AUGE/UG!

Auf unserer Wahlkampfhomepage   findest Du mehr Infos zu unseren KandidatInnen und warum sie für die AK-Wahl kandidieren – und  unsere Programm-Schwerpunkte für die Wahl und die kommende Legislaturperiode im AK-Parlament. Auf der AUGE/UG Homepage findest du auch unsere zahlreichen umwelt- und sozialpolitischen Initiativen

Wir setzen uns auch nach der Wahl für die Interessen der ArbeitnehmerInnen in Niederösterreich ein:

  • Klima vor Profit – damit dir nicht die Luft ausgeht
  • Zusammenhalten, gerade jetzt – damit Spaltung und Hetze keine Chance haben
  • Her mit fair – damit Wohlstand bei allen ankommt
  • 30 Stunden sind genug – damit die Arbeit nicht das Leben frisst
  • Mei Demokratie is net deppat – damit du im Betrieb gehört wirst